Archiv für März 2008

Joe Slovo Raeumung von Gericht abgesegnet

Die Haeuserkonflikte in Kapstadt gehen weiter.
Am 10. Maerz hat das Oberste Gericht entschieden, dass die Joe Slovo Armensiedlung geraeumt werden kann, um Haeuser zu bauen, die sich die bisherigen BewohnerInnen nicht werden leisten koennen.

Ein kurzer Blick zurueck:

Am 19. Februar räumt die Polizei Häuser im Armenviertel Delft am Rande der Stadt.
Die 1600 BewohnerInnen hatten Häuser besetzt die eigentlich für diejenigen vorgesehen waren, die in den nächsten Wochen aus der Joe Slovo Siedlung zwangsumgesiedelt werden sollen. Joe Slovo ist eine Innenstadtnahe aus Shacks (Baracken/Wellblechhütten) bestehende informelle Armensiedlung, die einem Wohnungsbauprojekt weichen soll.
Die BewohnerInnen wehren sich gegen die Umsiedlung nach Delft, da sie aus guten Gründen befürchten, dass sie an den Stadtrand gedrängt und nicht von den neuen Häusern profitieren werden. Im September 2007 wurde deshalb aus Protest für einige Stunden die N2 Autobahn blockiert. Die Polizei reagierte mit Gummigeschossen und räumte mit einem massiven Aufgebot.
Um die Joe Slovo Leute überhaupt räumen zu können, muss die Stadt erstmal die Häuser in Delft frei bekommen, das ist der Hintergrund für die aktuellen Räumungen bei denen abermals Gummigeschosse eingesetzt wurden. Laut Ashraf Cassiem von der Anti-Eviction-Campaign (Antiräumungskampagne) wurden dabei mindestens drei Kinder verletzt.
Die Armen wehren sich dagegen, die gescheiterte Wohnungspolitik des ANC und der in Kapstadt regierenden Democratic Alliance (DA) ausbaden zu müssen. Sie wollen nicht als bloße Manövriermasse behandelt werden, sondern verlangen endlich eine soziale Lösung der Wohnungskrise. Alleine in Kapstadt fehlen nach Schätzungen zwischen 260.000 und 400.000 Häuser und Mietwohnungen, gebaut werden pro Jahr nur etwa 25.000 Häuser.
In den letzten Wochen haben die geraeumten BewohnerInnen aus Delft auf der Strasse gelebt.

Aktuell:
Mit dem jetzigen Gerichtsbeschluss ist eine neue Eskalationsstufe des Konflikts eingetreten. Die Haeuser in Delft sind geraeumt und der Zwangsumsiedlung aus Joe Slovo steht juristisch nur ein weiterer Einspruch vor dem Gericht in Bloemfountain im Weg. Doch die BewohnerInnen aus Joe Slovo und die Anti-Eviction-Campaign haben angekuendigt, sich mit aller Kraft gegen eine Raeumung zur Wehr zu setzen.

Die Anti-Eviction-Campaign schreibt in ihrer Presseerklaerung: „By this order Judge Hlophe and the others have declared war on the people of Joe Slovo and must take responsibility for the consequences. By this order Hlophe endorses the bureaucratic madness of forcibly removing Joe Slovo residents to Delft when they do not want to go there, and when there are thousands of backyarders in Delft who need the housing being built there by Thubelisha.“
Aktuelle Infos finden sich seit kurzem auf dem Blog der AEC