Archiv der Kategorie 'Joe Slovo Siedlung '

Der Joe Slovo-Fall vor dem Verfassungsgericht – Noch immer keine Entscheidung

Über hundert BewohnerInnen der Joe Slovo Siedlung sind am 22. August 08 nach Johannesburg gefahren. Vor dem Verfassungsgericht des Landes sollte die Rechtmäßigkeit der Räumung der Siedlung verhalndelt werden. Das Ergebnis ist ein Teilsieg: Auch wenn die Räumung der stadtnahen Kapstädter Armensiedlung nicht ausgesetzt wurde, machten die Richter deutlich, dass es einen anderen Umgang mit den BewohnerInnen geben müsste, als es bisher der Fall war. Wann es zu einer weiteren Verhandlung kommt, ist noch unklar.
Kundgebung vor dem Gericht
Hier ein Zeitungsbericht vom Mail and Guardian (24.08.08):

‚It’s our duty not to be silent‘

PEARLIE JOUBERT | CAPE TOWN, SOUTH AFRICA – Aug 24 2008 06:00

After 15 years of fighting with government and the Cape Town municipality about their right to live in Langa, the Joe Slovo community finally had their day in the Constitutional Court this week.

Opposing their right to continue living in Cape Town’s Langa township — earmarked for housing development — were Housing Minister Lindiwe Sisulu, government-appointed housing agency Thubelisha Homes, former Western Cape housing minister Richard Dyantyi and the city of Cape Town.

They argue that the squatters are obstructing the delivery of houses to the poor. (mehr…)

Entscheidung über Joe Slovo im August

Voraussichtlich am 21. August fällt die Entscheidung des Verfassungsgericht in Johannesburg über die Rechtmäßigkeit der Räumung der Kapstädter Joe Slovo Siedlung. Die Anti-Eviction-Campaign will mit über 500 Menschen nach Johannesburg fahren, um Druck gegen die drohende Räumung von 20.000 Menschen aufzubauen. Für dieses Vorhaben wird in den nächsten Wochen dringend Geld benötigt. Geld soll u.a. durch die Druzbar am 16. 6. 2008 Druzbar im New Yorck | Mariannenplatz 2 | Kreuzberg reinkommen. Ab 20 h gibt es Cocktails und warme Küche. Das Geld ist für die Unterstützung der Kämpfe gegen Privatisierung und Häuserräumungen in Kapstadt vorgesehen.
Joe Slovo Protest im März 08

Joe Slovo Raeumung von Gericht abgesegnet

Die Haeuserkonflikte in Kapstadt gehen weiter.
Am 10. Maerz hat das Oberste Gericht entschieden, dass die Joe Slovo Armensiedlung geraeumt werden kann, um Haeuser zu bauen, die sich die bisherigen BewohnerInnen nicht werden leisten koennen.

Ein kurzer Blick zurueck:

Am 19. Februar räumt die Polizei Häuser im Armenviertel Delft am Rande der Stadt.
Die 1600 BewohnerInnen hatten Häuser besetzt die eigentlich für diejenigen vorgesehen waren, die in den nächsten Wochen aus der Joe Slovo Siedlung zwangsumgesiedelt werden sollen. Joe Slovo ist eine Innenstadtnahe aus Shacks (Baracken/Wellblechhütten) bestehende informelle Armensiedlung, die einem Wohnungsbauprojekt weichen soll.
Die BewohnerInnen wehren sich gegen die Umsiedlung nach Delft, da sie aus guten Gründen befürchten, dass sie an den Stadtrand gedrängt und nicht von den neuen Häusern profitieren werden. Im September 2007 wurde deshalb aus Protest für einige Stunden die N2 Autobahn blockiert. Die Polizei reagierte mit Gummigeschossen und räumte mit einem massiven Aufgebot.
Um die Joe Slovo Leute überhaupt räumen zu können, muss die Stadt erstmal die Häuser in Delft frei bekommen, das ist der Hintergrund für die aktuellen Räumungen bei denen abermals Gummigeschosse eingesetzt wurden. Laut Ashraf Cassiem von der Anti-Eviction-Campaign (Antiräumungskampagne) wurden dabei mindestens drei Kinder verletzt.
Die Armen wehren sich dagegen, die gescheiterte Wohnungspolitik des ANC und der in Kapstadt regierenden Democratic Alliance (DA) ausbaden zu müssen. Sie wollen nicht als bloße Manövriermasse behandelt werden, sondern verlangen endlich eine soziale Lösung der Wohnungskrise. Alleine in Kapstadt fehlen nach Schätzungen zwischen 260.000 und 400.000 Häuser und Mietwohnungen, gebaut werden pro Jahr nur etwa 25.000 Häuser.
In den letzten Wochen haben die geraeumten BewohnerInnen aus Delft auf der Strasse gelebt.

Aktuell:
Mit dem jetzigen Gerichtsbeschluss ist eine neue Eskalationsstufe des Konflikts eingetreten. Die Haeuser in Delft sind geraeumt und der Zwangsumsiedlung aus Joe Slovo steht juristisch nur ein weiterer Einspruch vor dem Gericht in Bloemfountain im Weg. Doch die BewohnerInnen aus Joe Slovo und die Anti-Eviction-Campaign haben angekuendigt, sich mit aller Kraft gegen eine Raeumung zur Wehr zu setzen.

Die Anti-Eviction-Campaign schreibt in ihrer Presseerklaerung: „By this order Judge Hlophe and the others have declared war on the people of Joe Slovo and must take responsibility for the consequences. By this order Hlophe endorses the bureaucratic madness of forcibly removing Joe Slovo residents to Delft when they do not want to go there, and when there are thousands of backyarders in Delft who need the housing being built there by Thubelisha.“
Aktuelle Infos finden sich seit kurzem auf dem Blog der AEC

Joe Slovo Bewohner gehen auf die Straße

Am 12. Dezember beginnt die erste Verhandlung hinsichtlich der Räumnung der stadtnahen Joe Slovo Siedlung in Kapstadt. Bereits eine Woche vorher findet der Prozess gegen diejenigen statt, die bei der Besetzung der N2 Autobahn festgenommen wurden (siehe Bericht). Die BewohnerInnen werden morgen mit einer großen Demonstration zeigen, dass sie nicht freiwillig an den Stadtrand von Kapstadt ziehen werden.

Im Folgenden die Presseerklärung der Western Cape Anti-Eviction Campaign
27th November 2007


Thousands to march on First National Bank in Cape Town tomorrow

The Joe Slovo community and dozens of other communities affiliated to the Western Cape Anti-Eviction Campaign will march on First National Bank in Cape Town tomorrow (28 November 2007).

The march will leave from Cape Town station at 9am under the theme „Asiyi eDelft!“ (We won‘t go to Delft). The communities want to show their support for the Joe Slovo residents, who are currently resisting a forced removal to Delft, and also to protest about evictions and water cut offs in their own communities.
Mzonke Poni of QQ Section Campaign, and a Western Cape Anti-Eviction Campaign leader, says that the Temporary Relocation Areas (TRA’s) in Delft „are like a concentration camp. No tarred roads, rubbish in the streets, public toilets only many of which have been closed for a year so people must relieve themselves in the bush. People in the TRA’s are living in limbo, unhappy, tolerating the awful conditions only in the hope that they will get a real house. But Thubelisha has promised 9500 houses to more than 20,000 families — from Joe Slovo, New Rest, Barcelona, Boys Town Crossroads etc, as well as to Delft backyarders and to people from Nyanga, Malawi and many other places. It is a recipe for conflict, misery, and disaster.“ (mehr…)

Anti-Eviction Campaign ruft zum Boykott der First National Bank (FNB) auf!

Die FNB ist an dem N2 Gateway Bauprojekt in Kapstadt beteiligt, welches gegen den Widerstand der stadtnahen Joe Slovo Armensiedlung durchgesetzt werden soll. Daher ruft die Anti-Eviction-Campaign zum Boykott der Bank auf:

Press Release: Anti-Eviction Campaign vows to intensify boycott and campaign against FNB, the bank of forced removals

Press Release
11 October 2007

The Western Cape Anti-Eviction Campaign vowed yesterday to intensify its campaign against First National Bank (FNB) because of the bank’s partnership with privatised housing company, Thubelisha Homes.

The Gugulethu Backyard Dwellers Forum announced that it would join the campaign against FNB.

The Anti-Eviction Campaign rejects FNB’s claim that it is not involved in trying to forcibly remove the residents of Joe Slovo. FNB has apparently „bought“ the land currently housing Joe Slovo residents for R5 million and are working in partnership with Thubelisha Homes to make huge profits once the current residents are forcibly removed.

The Anti-Eviction Campaign has already issued a call to all citizens who oppose forced removals to boycott FNB. Now the Campaign is planning protest action against the bank. (mehr…)

BewohnerInnen der Joe Slovo Siedlung in Kapstadt wehren sich gegen ihre Umsiedlung

In Kapstadt hat sich Absicht die BewohnerInnen der stadtnahen Joe Slovo Siedlung umzusiedeln, zu einem massiven sozialen konflikt entwickelt. In ‚analyse und kritik‘ Nr. 512 vom 19.10.2007 werden die Ereignisse der letzten Wochen zusammengefasst.

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Wir lassen uns nicht umsiedeln
In Kapstadt formiert sich Protest gegen die Wohnungspolitik des ANC

[aus: analyse & kritik, Nr.512, 19.10.2007]

Wenn das Thema WM 2010 in Südafrika aufkommt, interessieren sich die hiesigen Medien zumeist nur für den Stand des Stadion- oder Straßenbaus. Dagegen stellen sich nicht wenige SüdafrikanerInnen die Frage, ob die Ausrichtung der WM 2010 im eigenen Land nicht auch die Chance auf die Erfüllung sozialer Versprechen durch den African National Congress (ANC) mit sich bringt. Die Befürchtung ist, dass es auf lange Sicht zu keinen Verbesserungen kommen wird, wenn es nicht im Kontext des mit enormer medialer Aufmerksamkeit verbundenen Sportereignisses gelingt, soziale Stadtentwicklungsprozesse zu realisieren.

Aufgrund der Apartheid-Stadtstruktur zählt hierzu besonders der Bau stadtnaher, bezahlbarer Wohnungen für die Menschen, die noch immer in Wellblechhütten, sogenannten shacks, leben müssen. Als ein solches Vorhaben begrüßten 2004 viele Arme das N2 Gateway-Wohnungsbauprojekt am Rande des ehemaligen Townships Langa in Kapstadt. Entlang der Autobahn N2, die am Flughafen vorbei in das Stadtzentrum von Kapstadt führt, sollten bis Juni letzten Jahres 22.000 Wohneinheiten für shack-BewohnerInnen entstehen. (mehr…)